Leider lässt sich ein kontinuierlicher geschichtlicher Rückblick der Mömbriser Walldürnwallfahrt erst ab der Gründung des Wallfahrervereins im Jahre 1925 nachvollziehen. Jedoch sind bereits Jahrhunderte vorher Mömbriser nach Walldürn gepilgert. Die folgende Aufstellung soll einen Überblick über die geschichtliche Entwicklung geben:

  • 1618 (Beginn des 30jährigen Krieges) Ankommen einer geschlossenen Wallfahrt in Walldürn aus Aschaffenburg. Zu ihnen gehörten sicher auch Mömbriser.
  • 1750 erste urkundliche Erwähnung von Mömbris im Zusammenhang mit Walldürn.
  • bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts ist leider nichts genaueres bekannt. Nur nach mündlichen Überlieferungen ist davon auszugehen, dass auch im 19. Jahrhundert Mömbriser nach Walldürn gepilgert sind. Zu dieser Zeit müssen sich auch die Mömbriser von den Aschaffenburgern getrennt haben.
  • Im 1. Weltkrieg bis Mitte der 20iger Jahre Wiederzusammenschluss der Mömbriser und Aschaffenburger Wallfahrt.
  • 1925 Gründung des Mömbriser Wallfahrervereins und erneute Trennung von Aschaffenburg.
  • 1938 -1945 Verbot der Wallfahrt aus politischen Gründen. Trotzdem pilgerten vor allem junge Menschen, getarnt als Wandergruppen und auf verschiedenen Wegen, mit dem damaligen Ortspfarrer Weipert über den Engelberg nach Walldürn.
  • 1950 erste verzeichnete Eintragung im Pilgerbuch. Etwa zweidrittel der Wegstecke wurden mit der Eisenbahn zurückgelegt.
  • 3. Juni 1951 Neuorganisation des Wallfahrervereins
  • 29. Mai 1967 feierliche Segnung der "neuen Blutsfahne" durch Pater Angelus
  • 60iger und 70iger starker Rückgang der Wallfahrtsteilnehmer
  • Ende der 70er Wahl eines neuen Leitungsteams
  • 1978 Beginn der Wallfahrt wieder ab Mömbris
  • 90iger Anstieg der Ganzläufer auf über 200 Pilger
  • 2002 Eintragung in das Vereinsregister, Anerkennung der Gemeinnützigkeit

Im Nachfolgenden möchte ich noch einige Einblicke auf den Ablauf der Wallfahrt in den einzelnen Epochen geben. Dazu sind hier auch ein paar Anekdoten aufgezeigt.

Hier beschreibe ich einen typischen Wallfahrtsablauf aus dem Jahre 1925. Übrigens seit diesem Zeitpunkt wird die Wallfahrt von der Strötzbacher Musikkapelle begleitet!
Der 1. Wallfahrtstag begann bereits um 3.30 - 4.00 Uhr in der Frühe. Mit Leiterwagen (Kuh- oder Ochsengespannen) wurden die Pilger nach Aschaffenburg gefahren. Der Prozessionsweg ging von Aschaffenburg durch das Maintal über Obernau, Sulzbach, Kleinwallstadt, Erlenbach, Klingenberg, Röllfeld nach Großheubach. Eine religiöse strenge Prozessionsordnung war Tradition. Die Prozessionsformation führte das Kreuz und die Fahnen an. Danach folgten, Männer, Priester, Mädchen und die Frauen. Diese Ordnung wurde bis in die 70er Jahre gewahrt. Am Wegrand standen viele Bildstöcke, an denen meist eine kurze Gebets- und Fürbittpause eingelegt wurde. Den Abschluss bildete meist der so genannte Kniefall. Die Verpflegung war meist sehr karg, denn sie musste für die ganze Strecke im Rucksack getragen werden. Das 1. Ziel war Großheubach. Dort wurde in einfachen Privatquartieren mit Strohsack-Liegematten übernachtet. Am nächsten Morgen begann der Tag mit dem Aufstieg über ca. 480 Stufen zum Kloster Engelberg. Unterwegs wurde mit Gebeten an Kreuzwegstationen oder Wegkapellen Zwischenstationen eingelegt. In der Klosterkirche bestand dann die Möglichkeit zur Beichte. Nach der hl. Messe und dem Frühstück aus dem Rucksack begann der Abstieg nach Miltenberg. Über die Kniebreche bzw. Steige wurde die Odenwaldseite bei Wenschdorf erreicht. Die Mittagsrast wurde in der Raststätte Geisenhof genommen. Mit einer warmen Suppe stärkte man sich für die Schlussetappe. Der Wallfahrtsführer ging meist voraus um den Gastleuten z.B. folgendes zu sagen: „Ihr Leut, schütt noch ein Eimer Wasser in die Suppe, mir sind dieses Jahr 10 Leute mehr“. Nach der Mittagsrast steuerte man mit den bekannten Zwischenstationen an Bildstöcken, Waldkapellen, etc. dem ersehnten Ziel Walldürn entgegen. Als Einzug wurde schon damals das Wallfahrtslied „Kommt zum Großen Gnadenort…“ unter dem Glockengeläut gesungen.

 

Hier einige Bilder aus den 50iger Jahren:

Wallfahrt in den 50iger Jahren mit damaligen Prozessionsführer Karl Kress

Mittagsrast einer Wallfahrt aus den 50iger Jahren am Geisenhof

Einzug in Walldürn in den 50iger JahrenEinzug in Walldürn in den 50iger Jahren

Eine weitere Anekdote ereignete sich 1965. Damals vertrat Pater Magnus den erkrankten Ortspfarrer Krebs. Bekannt für seine langen und gestikreichen Predigten ließ er sich die Gelegenheit am Aschaffenburger Kappellchen auch nicht entgehen. Um sich richtig in Position zu bringen, stellte er sich auf einen kleineren Hügel. Leider stellt sich seine Naturkanzel nach etwa einer halben Stunde als einfacher, jedoch recht unangenehmer Ameisenhaufen heraus. Die eifrigen Ameisen nahmen keine Rücksicht auf den predigenden Pater und krabbelten permanent an den Hosenbeinen und den Gewändern hoch. Ein Predigtabbruch kam aber für Pater Magnus schon aus Prinzip nicht in Frage. Er versuchte sich deshalb mit Verrenkungen und wildentschlossenem Klopfen der Krabbeltiere zu entledigen. Bei der Pilgerschar löste diese Zufallskomik natürlich allgemeine Heiterkeit aus. Dies erzürnte ihn aber noch mehr und er dehnte seine Predigt trotz weiterer Ameisenangriffe nochmals um eine halbe Stunde aus.

 

Bei der Wiederaufnahme der Wallfahrt im Jahre 1978 machten sich 27 Pilger von Mömbris nach Walldürn auf. Der Weg führte über Daxberg, Goldbach, Haibach, Hohe Warte, Volkersbrunn nach Rossbach. Hier erfolgte die erste Übernachtung. Am zweiten Tag führte der Weg über Eichelsbach, Sommerau, Mönchberg über den Eselsweg zum Kloster Engelberg. Übernachtet wurde in Großheubach. Das letzte Wegstück wurde wie bereits 1925 beschreiben zurückgelegt. In den darauf folgenden Jahren gab es immer mal wieder so manche Irrungen und Wirrungen bezüglich der Wegstrecke. Die Abkürzungseuphorie ließ die Wallfahrer manchmal durch mannshohe Rapsfelder kämpfen. Unvergesslich ist auch die Bienenpassage in den Rapsfeldern zwischen Mönchberg und dem Klotzenhof. Es gab kein Zurück. In geduckter Haltung, den Anorak über den Kopf gezogen, ging es mutig durch die brausenden und aufgebrachten Bienenvölker.

 

Eine Gruppe von Wallfahrern in den 80iger vor der Mömbriser Pfarrkirche

Durch die steigende Pilgerzahl und den immer stärker werdenden Verkehr versucht man heute, wenn möglich, immer mehr auf Feld- oder Waldwege auszuweichen. Auch eine professionellere Organisation war bei einer steigenden Teilnehmerzahl von Nöten. Nicht unerwähnt sollte bei einem Rückblick auch die großzügige Gastfreundschaft der einzelnen Gemeinden bleiben. Über Jahre hinweg wurden viele Freundschaften zwischen Pilger und Gastgeber geknüpft.

 

Heute wird die Wallfahrt thematisch von den verschiedensten Gruppierungen und Personen unserer Pfarrei gestaltet. Im Vorfeld kann jeder ein Thema vorschlagen. Aus den Vorschlägen wird ein Thema demokratisch gewählt. Die nachfolgende Liste zeigt die Themen der Wallfahrten seit 1988.

1988: Tut alles, was er euch sagt!
1989: Suche, wo das Leben wohnt!
1990: Unterwegs mit Christen - als Volk Gottes!
1991: Miteinander Kirche sein - für den Frieden in der Welt!
1992: Als Volk Gottes mit Bibel und Rucksack unterwegs!
1993: Wege suchen im Gespräch mit Gott, den Mitmenschen - für die Mitwelt!
1994: Neue Wege gehen, damit unser gemeinsames Leben gelingt!
1995: Du bist mir wichtig!
1996: Auf der Suche nach...!
1997: Mit dir...!
1998: Komm mit brich auf!
1999: Dein Vertrauen macht stark!
2000: Wo meine Sehnsucht ein zuhause hat!
2001: Ich will euch Hoffnung und Zukunft geben!
2002: Unterwegs in eine neue Welt!
2003: Ihr sollt ein Segen sein!
2004: Christus Quelle des Lebens!
2005: Inmitten des Lebens zeigst du dich uns Gott!
2006: Als Zeuginnen und Zeugen Gottes unterwegs!
2007: Und plötzlich riechts nach Himmel!
2008: Mach mich zum Werkzeug deines Friedens!
2009: Ihr seid das Salz der Erde!
2010: Schritte wagen - der Zukunft Glauben geben!
2011: Unser tägliches Brot gib uns heute!
2012: Mauern überspringen!
2013: Wagt euch zu neuen Ufern!
2014: Seid gewiss, ich bin bei euch alle Tage!
2015: Damit - WIR - das Leben haben!
2016: Jetzt ist die Zeit ...
2017: Alle sollen eins sein.
2018: Was keiner wagt, ...
2019: Miteinander durch die EINE Welt!
2020: Mensch sei achtsam!